Dorffasnet „heute“

Am Fasnetssonntag, es war dies der 18.Februar 1995, begann um 8.45 Uhr die Karseer Dorffasnet mit einer
Eucharistiefeier in der Pfarrkirche St. Kilian, an der auch die Narren im Häs teilnahmen. Bemerkenswerterweise
lag die letzte Dorffasnet zu diesem Zeitpunkt bereits 60 Jahre zurück und der Veranstalter war zudem die Narrenzunft Karsee.

Die Dorffasnet in Karsee heute, ist immer am Sonntag vor dem Wochenende der Hauptfasnet und beginnt traditionell
mit einer Narrenmesse. Teilnehmer sind die Abordnungen von befreundeten Zünften aus der näheren Umgebung.
Nach dem Gottesdienst geht es zu den Klängen der Musikkapellen und Fanfaren in einem kleinen Umzug durchs Dorf
zur Festhalle. Dort wird mit den Karseern eine richtige Dorffasnet gefeiert. Verschiedene Programmpunkte sorgen
dabei für gute Stimmung.

Neben dem eigentlichen Dorfumzug veranstaltet die Narrenzunft schon seit Jahren einen Zunftball. Was früher jährlich
stattfand und bis über die Ortsgrenzen hinaus bekannt und beliebt war, wird heute nur noch alle fünf Jahre angeboten.
Zu groß sind das Termingerangel unter den vielen Vereinen im Umkreis und der Aufwand, welche für ein gut besuchtes
und gelungenes Fest unumgänglich sind.

Am gumpige‘ Dunschtig ist wie in jedem Jahr die Schülerbefreiung der Haupt- und Werkrealschule Karsee.
Eine langjährige Tradition also, die nach der Fasnet 2011 mit der Schließung der Schule ein Ende finden wird. Immer
wieder wurden die Schüler durch die Narren befreit, mit Brezeln beschenkt und von den Lehrern erlöst. Diese wiederum
mussten unter den Augen der Narren, Schüler und der Dorfbewohner zum Rathaus begleitet werden, um dort auch noch
die Entmachtung des Ortsvorstehers oder der Ortsvorsteherin beizuwohnen. Im Anschluss einer solchen Prozedur wurde
dann der Narrenbaum, das Zeichen närrischer Macht, gestellt und das Rathaus samt Schlüssel von den Narren
übernommen.

Doch leider hält dieser Zustand ebenfalls nicht ewig an und so wird der Abend des Fasnetsdienstags dazu genutzt, dem
Schultes sein Rathaus und die Regierungs G’schäftle zurückzugeben. Auch der Narrenbaum wird gefällt und unter
lautem Geheule „eingemottet“.

Anschließend ist Kehraus im Wirtshaus des Dorfes. Das ist für die aktiven Narren immer noch ein gelungener Ausklang
einer turbulenten Zeit, denn es wird der Umzugsorden für diejenigen vergeben, welche an allen Umzügen
mitgesprungen sind.

Der Umzugsorden ist ein heiß begehrtes T-Shirt mit wechselndem Motiv und Jahreszahl, sowie einer Auflistung, der in
dieser Saison besuchten Umzüge mit Datum und dem Hinweis:
„Ih bin en super Butze Dätz und war „anno“ … an alle Umzüg d’bei“.

Voraussetzung für den Erhalt dieses Ordens ist die 100% Teilnahme an allen Umzügen.

Vereinsleben

Man ist sich innerhalb des Vereins seiner Tradition bewusst, versteht sich aber auch darauf, „die Stimmung im Raum zu
heben“. Da der Hauptteil an Aktivitäten der Zunft bekannterweise in die fünfte Jahreszeit fällt, treffen die meisten der
Mitglieder in diesem Zeitraum aufeinander. Spass und Geselligkeit stehen dann im Vordergrund.

Aber auch unter dem Jahr werden Aktionen für die Zunftmitglieder organisiert, beispielsweise Hüttenaufenthalte,
Ausflüge & Co.

Doch das Vereinsleben bringt auch Arbeit mit sich. Für eine kleine Zunft wie unsere ist es eine Meisterleistung –
verbunden mit großem Aufwand – eine öffentliche Veranstaltung auf die Beine zu stellen. Um die Arbeitseinsätze der
Mitglieder zu regulieren und annähernd angleichen zu können, wurde am 11.11.2010 ein Arbeitssystem eingeführt,
welches für jedes aktive Zunftmitglied ein Minimum an Arbeitseinsätzen vorsieht. Bewertet werden solche Einsätze mit
Punkten, hat man die vorgeschriebene Punktzahl erreicht, so kann man von der Zunftleitung nicht mehr finanziell belangt
werden.

Neben den öffentlichen Versammlungen trifft sich ab und an auch die Jugend der Zunft, um eigene Pläne und Ideen
vorzuschlagen, zu diskutieren, auszuarbeiten und umzusetzen. Zur Jugend gehören Mitglieder ab dem 15. bis zum 25.
Lebensjahr. Zuvor sind die Kinder der Jugendleiterin unterstellt. Ab dem 12. Geburtstag sind sie jedoch berechtigt eine
Maske zu tragen, jedoch gibt es ein Ritual, um als Maskenträger aufgenommen zu werden: Die Narrentaufe.

Diese ist auch für Neumitglieder verpflichtend und hat ihren eigenen Ablauf:

Nach der Pest und dem 30 – jährigen Krieg herrschte eine furchtbare Hungersnot. Ein Brautpaar, welches sich auf dem
Heimweg von der Trauung befand, suchte am Wegrand nach etwas Essbarem, wie Beeren, Wurzeln und Ähnlichem.
Sie fanden aber nur Brennnesseln. Aus diesen Brennnesseln, bereitete sich das Brautpaar ihr Hochzeitsmahl.

Diese Überlieferung aus der alten Pfarrchronik ist heute Grundlage für die Narrentaufe der Karseer „Butze Dätz“.

Jedes Jahr am 11.11., so ist es inzwischen Brauch, wandern die Karseer Narren (nicht im Häs) abends mit Fackeln,
auf der alten Totensteige, die noch heute steil hinauf, durch den Wald in Richtung Sommers führt. Diese Steige stellte
im Mittelalter die Strasse von Karsee hinaus in Richtung Sommers/ Vogt dar. Auf ihr wurden auch die Toten zum
Friedhof gefahren, daher der Name Totensteige.

Oben angekommen, brennen auf der Lichtung zwei große Lagerfeuer. Über jedem Feuer, hängt an einem Dreibein ein
Kupferkessel. Eine Großer und ein Kleinerer. Im Großen köchelt der Glühwein für die langjährigen Mitglieder der Zunft.
Im kleineren Kessel kocht die traditionelle Brennesselsuppe für die Täuflinge.

Nach einer lustigen Prüfung, (ein kleiner Fasnets – sportlicher Eignungstest) die jedesNeumitglied ablegen muß, gibt es
eine große Tasse Brennesselsuppe.

 

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